Familienangelegenheiten

  • "Hallo Selina,
    wir hoffen, dass du dich an deiner neuen Dienststelle mittlerweile gut eingelebt hast.


    Und auch wenn es natürlich schade ist, dass du nach dem erfolgreichen Abschluss der Akademie nicht nach Hause kommen konntest, wir sind stolz auf das was du geschafft hast. Trotz deiner etwas... unkonventionellen Entscheidung - oder vielleicht genau deswegen. Du hattest ja schon als kleines Mädchen immer einen eigenen Kopf und auch wenn Mutter und ich manchmal genau deswegen das ein oder andere graue Haar bekamen - man kann zumindest nicht behaupten, dass unsere Tochter auch nur im geringsten unkonsequent wäre. Selbst dann wenn wir dachten, dass du Holzwege gehst. Aber auch die bist du immer zu Ende gegangen und wenn ich mir klar mache, dass du immerhin eine der ersten cardassianischen Sternenflottenoffiziere geworden bist, dann war das wohl die richtige Entscheidung.


    Du musst uns unbedingt ein paar Holos senden, wir können uns kaum noch daran erinnern wie du eigentlich aussiehst.


    Opa meinte wir sollen dir ein Bild übertragen, er hätte dir ein kleines Andenken an Cardassia gemalt. Ich hab ihm gesagt, dass es ziemlich nichtssagend wäre und du dir es sicher nicht an die Wand replizierst - aber du kennst deinen Großvater...


    dein Vater."


    ANHANG:



    Ach Opa... das sieht doch ein Blinder... Also die Sternenflotte ist nicht blöde, das wolltest du doch nur an Papa vorbeischmuggeln. Aber gut, weg mit dem Umschlag...


    Computer, das Bild im Anhang der Nachricht in Zweidimensional auf Vektorfeld Tarr vier projezieren und den Farbwert der entsprechenden Pixel damit verrechnen.

    Arbeite...



    Abgeschlossen.


    Ausgezeichnet, den Block jetzt mit Algorithmus Tarr Sigma verrechnen und als Text auf mein Padd ausgeben.
    Und nur für's Protokoll, wenn ich wirklich was verstecken wollen würde, hätte ich Opas Brief mit Stift und Zettel dekodiert.


    "Hallo meine große,
    Hoffentlich hast du den Umschlag nicht auf einem Föderationscomputer aufgemacht, spätestens jetzt sind wir beide aufgeflogen!


    Aber cardassianische Späße bei Seite, ich wollte dir noch einmal gratulieren zu deinen Ergebnissen. Dein Vater hat deine Entscheidung langsam auch akzeptiert und stellt fest, dass das Vögelchen das Nest nun mal irgendwann verlässt und selber fliegen muss. Besonders wenn ihr zuhause ein Käfig aus Gold ist.


    Wir sind schon immer dazu bestimmt gewesen zu den Sternen zu reisen. Wir sind ein Volk von Forschern, Entdeckern, aber auch Überlebenskünstlern. Das haben deine Eltern scheinbar nie verstanden, so sehr ich versucht hatte es ihnen klar zu machen.
    Nicht alle ihre Entscheidungen waren falsch, das möchte ich damit nicht sagen. Aber sie haben wohl nie verstehen wollen, was dich dazu trieb deine Flügel auszuweiten und zu fliegen. Zwischen "Fliegen" und "Fliehen" ist für sie kein Unterschied. Sie meinten es nicht böse, auch wenn ich mich an den ein oder anderen Streit erinnere. Dein Vater und deine Mutter sind eben Kinder ihrer Zeit und haben eine andere Sicht auf so manches. Das macht sie zu keinen schlechten Cardassianern und Familie ist schließlich Familie.


    Ich finde es, wie manche Vulkanier sagen, "fasziniernd" was du bisher aus unserem Vermächtnis gemacht und erreicht hast. Du bist nun mal ein Kind deiner Zeit, nicht die deiner Eltern, auch nicht meiner. Was Fähnrich Selina Tarr bisher vor allem bewiesen hat, ist dass sie die Essenz dessen ist, was Cardassianer ausmacht. Ressourcen clever einsetzen, unkonventionelles wagen, ihren Weg gehen.


    Als mein blutiger Pfad sich damals dem Ende neigte, als unsere Familien in den Wüsten einer zerstörten Welt lagen, haben wir das Dominion von unserer Welt vertrieben. Sie haben uns zahlreiche Wunden zugefügt, aber wir haben überlebt.
    Und jetzt? Jetzt kriecht der hinkende Hund mit eingeklemmten Schwanz zurück und fleht um Hilfe.
    Ich für meinen Teil brauche keinen weiteren Beweis dafür, dass das Schicksal einen grandiosen Sinn für Humor hat. Das einst unbesiegbare Dominion, kann ohne die Hilfe der Organisation nicht überleben, deren Teil meine kleine Enkeltochter ist.


    Wir brauchen kein ständiges Mitgefühl für unsere Verluste, versinken nicht in Selbstmitleid, wir schauen nicht zurück und stützen uns auf alte Prophezeiungen, die jeder so auslegt wie es ihm passt. Wir schauen nach vorn, ergreifen Gelegenheiten. Die Vergangenheit ist dazu da, dass wir daraus lernen, nicht um darin zu leben.


    Du bist dieses neue Cardassia, Selina.


    Egal wie groß ein Hindernis ist, wir überwinden es.
    Egal wie versteckt eine Lösung auch ist, wir finden sie.
    Egal wie stark man uns testet, am Ende kommen wir umso stärker wieder.


    Dein Opa"

    Ein Polarbär ist ein kartesischer Bär nach einer Koordinatentransformation.